Nordkap 2006
Nordkap erreicht

 

Nordkap

1.Tag: Bühl – Kornwestheim

 

Die Motorräder waren gepackt und um 15.00 Uhr sollte es losgehen. Ein riesiges Verabschiedungskomitee erwartete uns am Latschare. Gottfried und unsere Familien und Freunde schossen in praller Sonne die Startfotos unserer Tour. Nach der pünktlichen Abfahrt wurden schon am Ortsausgang erste Verluste gemeldet: Doris und Hekl waren weg – vor lauter Aufregung hatte Doris ihre Handschuhe zu Hause liegen lassen. Wiedervereint ging es nun wirklich los, Gottfried hat uns sogar noch bis Tübingen begleitet. Die kurze Strecke nach Kornwestheim hatte es in sich; siedende Hitze, Gewitter, Platzregen und Hagel wechselten sich ab. Kurz vor erreichen unseres Ziels – zweite Verlustmeldung – wir haben entdeckt dass es drei verschiedene Anfahrtswege zum Verladebahnhof gab. Angekommen sind wir jedoch alle fast zeitgleich. Da das erstmalige Verzurren der Motorräder eine sehr schweisstreibende Aktion war freuten wir uns über die angekündigte Verspätung unseres Zuges um 140 Minuten ; ab in den gegenüberliegenden Biergarten. Später, angekommen in den uns zugewiesenen Abteilen, ging das Schwitzen erst richtig los; die Klimaanlage war leider ausgefallen. Doch das tat unserer Stimmung keinen Abbruch denn wir hatten ja genügend Reiseproviant dabei ( Ramazzotti, kühles Eis und Gummibärchen ). Auf harten Betten mehr oder weniger schlafend liessen wir uns vom Autoreisezug an die dänische Grenze bringen.

 

Gefahrene Strecke: 68 km

Zug: 916 km

 

Zurückgelegte Strecke: 984 km

 

2.Tag: Niebüll – Hanstholm

 

Nach einem reichhaltigen ( ha ha ) Frühstück im Zug erst einmal grosse Aufregung: wo sind meine Socken; wer hat meinen Helm; hat jemand meine Handschuhe gesehen – bis zu unserer Ankunft um 7.00 Uhr war jedoch alles wieder am richtigen Platz. Zunächst galt es die Motorräder wieder abzuladen. Dabei schlauchte uns vor allem das Anschieben einer vor uns auf der Ladefläche stehenden Schweizer Grossraumlimousine dessen Fahrer über Nacht einen Batterietest gemacht hatte. Um 8.10 Uhr ging es dann endlich los. Bei hohen Temperaturen fuhren wir auf schnurgeraden Strassen über das pottebene Süddänemark. Auf Grund des geringen Verkehrsaufkommens kamen wir gut voran und gönnten uns mehrere Pausen in idyllischer Umgebung. Im Norden Dänemarks löste eine ausgedehnte Dünenlandschaft das triste Flachland ab. An unserem Tagesziel angekommen mussten wir uns auf eine längere Wartezeit einstellen. Diese begannen wir mit einem ausgedehnten Hafenspaziergang wobei sich Andi als „Bikesitter“ bewährte. Die Zeit schritt nur langsam voran: Andi hatte Zeit sich zu rasieren, die ersten Postkarten wurden geschrieben, Hekl entdeckte seine neue Leidenschaft – das Sortieren des Gepäcks – die Mädels brauchten Bewegung und erklommen die nahegelegene Aussichtsplattform und wurden mit einem phantastischen Blick über den Hafen in der Abendsonne belohnt. Dann war es endlich soweit: die Anfahrt zum Fähranleger wurde freigegeben. Hier erfuhren wir zu unserem Schrecken das die Fähre drei Stunden Verspätung haben wird. Mit Vesper und Kartenspiel verkürzten wir uns die Zeit bis zum Einchecken. Wir waren fix und fertig und konnten es kaum erwarten uns lang zu machen und zu duschen. Erschöpft und mit Gepäck beladen wurden wir zu unserem Liegesaal geführt. Oh Schreck: wir finden einen mit Reisebusähnlichen Sitzen ausgestatteten Raum vor – Dusche nicht vorhanden aber wenigstens klimatisiert.

 

Gefahrene Strecke: 324 km

 

Zurückgelegte Strecke:1308 km

 

3.Tag: Hanstholm – Preikestolen

 

So unruhig und unbequem die Nacht auch war, das feudale Frühstück auf See hat uns dafür entschädigt; die meisten wenigstens, denn unserer von Seekrankheit geplagten Jutta ist ganz plötzlich der Appetit vergangen. Die letzte Stunde der Überfahrt nach Norwegen haben wir an Deck genossen. Unzählige Inseln der Schären und die typischen Holzhäuser haben uns zum ersten Mal beeindruckt. Nach dem Auschecken im Hafen von Haugesund bemerkten wir das Hekl´s Rolle vibriert. Die vermeintlich zu Platzen drohende Ramazzotti-Flasche entpuppte sich als laufender Akkurasierer. Die ersten Eindrücke Norwegens haben unsere Bikerherzen höher schlagen lassen. Kurvenreiche Straßen führten uns von Tunnel zu Tunnel, einer davon lag sogar 230 m unter dem Meeresspiegel und war 6 km lang. Drei kurze Fahrten mit der Fähre von Insel zu Insel sorgten zusätzlich für Abwechslung. Durch die dreistündige Verspätung unserer ersten Fähre kamen wir sehr spät in der Juhe am Preikestolen an und konnten die vorgesehene Besteigung der Kanzel nicht mehr antreten. Nach der ersten Bekanntschaft mit vielen kleinen fiesen Schnaken haben wir unsere schnuckeligen Zimmer bezogen und die erste langersehnte Dusche genossen. Nach einer letzten Ramazzottirunde fielen wir erschöpft in unsere Etagenbetten. Da uns der Preikestolen, eine der vielbeschriebenen Sehenswürdigkeiten Norwegens, keine Ruhe ließ beschlossen wir den Aufstieg am nächsten morgen um 4 Uhr zu wagen.

 

Gefahrene Strecke: 144 km

Fähren: 455 km

 

Zurückgelegte Strecke:1907 km

 

4.Tag: Jörpeland – Sognedal

 

Die langersehnte Bettruhe; liegend und ausgestreckt; dauerte leider nicht lange an. Ab 4.00 klingelte der Wecker bis wir (Annerose, Doris, Andi und Hekl) letztendlich eine dreiviertel Stunde später aufgestanden sind. Voller Tatendrang begannen wir den Preikestolen zu stürmen, während ganz Norwegen noch schlief. Der auf der Karte eigentlich kurze Weg entpuppte sich ziemliche schnell als äußert anspruchsvoll und schweißtreibend. Der als Wanderweg ausgeschilderte Pfad führt uns durch Moosgebiete und über steile Geröllhalden – Natur pur. Nach den bezwungenen Höhenmetern wurden wir mit einer grandiosen Aussicht, umgeben und von einer unglaublichen Stille belohnt. Leider haben wir die Kanzel nicht erreicht denn die heranziehende Regenfront zwang uns zur Umkehr. Auf den durch die Feuchtigkeit rutschig gewordenen Felsen weiter zu gehen wäre viel zu gefährlich gewesen. Beeindruckt von diesem Erlebnis gesellten wir uns zu den Langschläfern an den Frühstückstisch. Bei der Abfahrt kurz nach 9.00 Uhr schien merkwürdigerweise schon wieder die Sonne was, wie wir noch mehrfach erfahren werden, typisch norwegisch ist. Das Packen der Motorräder gelang in Rekordzeit, da wir von tausend Moskitos angegriffen wurden. Ein Motorradparadies eröffnete sich uns; kurvige Strecken entlang der Fjorde, immer wieder gespickt durch Tunnels und Fährfahrten, fast kein Verkehr - die Straße gehörte uns. Der erste Tankstop gestaltete sich etwas schwierig, ohne einheimische Hilfe einer smarten Norwegerin stünden wir heute noch fragend vor der Zapfsäule. Doris war danach so durcheinander, dass sie bei der Weiterfahrt fast ihren Helm vergessen hätte. Unser letzter Pass am heutigen Tag erwartete uns mit Dauerregen und Kälte sodass wir froh waren gegen 19.30 Uhr unser Ziel, die Juhe in Sognedal, erreicht zu haben. Unsere zugewiesenen Zimmer erfüllten nicht jedermanns Geschmack. Nach einem zünftigen Vesper haben wir uns noch das Halbfinale mit der WM angeschaut und unsere Nation würdig vertreten. Da Cola vorhanden war, durfte Gerhard zur Feier des Siegers seinen Whisky – der sich noch jenseits des Ganges befand – holen.

 

Gefahrene Strecke: 413 km

Fähren: 16 km

 

Zurückgelegte Strecke:2336 km

 

5.Tag :Sognedal – Andalsnes

 

Während des Frühstücks fing es an zu regnen und so beschlossen wir sofort mit den Regenkombis loszufahren. Der Weg führte uns entlang des Sognefjords hinauf auf das 1415 m hohe Sognefell, den längsten Pass Nordeuropas. In kurvenreicher Strecke erklommen wir das Gebirge. Die Gletscher leuchteten in vielen Blautönen; unsere Hände auch! Auf der Passabfahrt hörte der Regen dann auf und die nun trockene Fahrbahn ließ eine flotte Fahrt zu. In Lom angekommen schien wieder die Sonne und wir besichtigten die Stavkirke und den angrenzenden Souvenirladen. Dem eindrucksvollen Holzgebäude dessen Grundgerüst den Vikingerschiffen nachgeahmt wurde und wo selbst die Nägel aus Holz sind sieht man seine 800 Jahre nicht an. Beeindruckt hat uns auch der umliegende Friedhof mit den auffallend kleinen Gräbern; Andi meinte, die Toten werden hier stehend begraben. Die Weiterfahrt über drei verkehrsfreie Pässe und durch eindrucksvolle Landschaft führte uns zum Geirangerfjord, dem wohl schönsten und bekanntesten des Landes. Entsprechend hoch war hier auch das Touristenaufkommen. Nach einer kurzen Pause lockten uns wieder die in der Ferne sichtbaren Serpentinen aus der Reserve. Die anschließende Überfahrt mit der Fähre wurde von unserem Hinterteil mal wieder als angenehme Entlastung begrüßt. Vorbei an Wasserfällen, Gletscherflüssen und tiefen Abgründen (diese Tour ist wirklich nur für Schwindelfreie) kurvten wir zum Gipfel des Trollstiegen. Natürlich mussten dort nach Landessitte auch einige Trolle (aus Stein) gebaut werden.

In Andalsnes angekommen erwartete uns eine niveauvolle Juhe. Gejagt von Hunger und Durst durchstreiften wir die Ortschaft bis wir endlich eine Pizzeria fanden. Gerhard fuhr anschließend die gelaufene Strecke mit dem Roller ab, da er es nicht fassen konnte, wie man meilenweit für eine Pizza gehen kann.

 

Gefahrene Strecke: 324 km

Fähren: 4 km

 

Zurückgelegte Strecke:2664 km

 

6.Tag:Andalsnes – Trondheim

 

Einen Wecker brauchten wir heute nicht, Um 5.45 Uhr wollte sich Gerhard aus dem Zimmer schleichen, aber aus dem Schleichen wurde ein allgemeines Wecken. Verzweifelt versuchte er rüttelnd und schüttelnd die Tür zu öffnen bis der zur Hilfe eilende Hannes feststellte, das sich diese nur in die andere Richtung öffnete. Das morgendliche überstreifen des Regenkombis, von uns liebkosend Strampelanzug genannt, entwickelte sich zur alltäglichen Routine. Das anfängliche Tröpfeln ging schnell in starke Schauer über der vom zunehmenden Wind begleitet wurde. Vor der Überquerung der Atlantikstrasse, machten wir noch einen kurzen Halt. Schnell noch einen Kaffee zum Aufwärmen, einen letzten Gruß per Postkarte an unsere Kinder, danach sofern möglich alle Schotten dicht – jetzt kann es losgehen. Bei starkem Seitenwind und schlechter Sicht bewältigten wir die berühmte Inselroute. Bei der Rückfahrt auf das Festland über den bewegten Atlantik wurde Gerhards Roller seekrank. Außer ein paar Schürfwunden hat er glücklicherweise nichts abbekommen. Je weiter wir uns von der Küste entfernten umso besser wurde das Wetter, sodass wir sogar im freien picknicken konnten. In der riesigen Juhe in Trondheim angekommen, haben sich unsere Männer spontan zum Küchendienst gemeldet – von einigen Mitbewohnerinnen auch als „men cooking“ bezeichnet. Es gab etwas zu üppig geratene Portionen „Spagetti al bettoni“. Anschließend wurden die Rollen wieder standesgemäß verteilt. Zur Erhaltung der Funktionalität beschäftigten sich die Männer mit den Motorrädern und die Frauen mit der Wäsche. Die erfolglose Suche der Frauen nach einem Wäscheständer endete mit der Zweckentfremdung der Rezeptionsgarderobe. Den Abend rundeten wir mit einem ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt ab. Dabei entdeckten wir unter anderen den einzigen Fahrradlift Europas, das malerische Hafenviertel und die langanhaltende Helligkeit im Norden.

 

Gefahrene Strecke: 321 km

Fähren: 12 km

 

Zurückgelegte Strecke:2997 km

 

7.Tag:Trondheim – Mosjoen

 

Kaum zu glauben, die Sonne scheint. Langsam quälten wir uns aus dem Großstadtverkehr um nur wenige km später durch endlose Kiefernwälder nach Norden zu ziehen. Auf dieser Strecke sind erstmals Elch-Warnschilder zu sehen. Eine unserer Pausen nutzten wir zur Besichtigung des Namsen- Lachsaquariums mit Lachstreppe. Leider waren wir zur falschen Zeit am falschen Ort – die Lachse waren schon vorbeigezogen. Auf der endlosen Weite der Hochebene tauschten wir irgendwann einmal die zulässigen norwegischen 80 km/h in 100 deutsche km/h um. Dies wurde uns beim nächsten Stop fast zum Verhängnis aber Dank guter Reaktionen und einem erfolgreichen Bremstest ist nichts passiert. Allmählich zeigten sich erste Ermüdungserscheinungen bei der KAWA (defekte Tachowelle) und der Laverda (verlorene Schraube des Hauptständers). Beim erreichen des heutigen Etappenziels wunderten wir uns über den fast ausgestorbenen Campingplatz. Uns wurde eine kleine Hütte (2x2m) und eine große Hütte (4x5m) zugeteilt. In der Hundehütte wurden 4 Personen gestapelt, in der großen Hütte wurde gekocht. Zu Schnitzel, Rote und Salat gab es erstmals Wein, da die Mädels nach langem Suchen endlich eine Weinhandlung erspäht hatten. Das Essen war sehr gut, aber der in der Hütte liegende Schnitzelfarmgeruch verfolgte uns die ganze Nacht.

 

Gefahrene Strecke: 420 km

 

Zurückgelegte Strecke:3417 km

 

8.Tag:Mosjoen – Bodo

 

Es regnete wieder einmal und selbst das Wasser unter der Dusche war kalt. Nach unserem allmorgendlichen Packritual, das sich nicht immer ganz einfach gestaltete, denn unser weniges Gepäck musste in noch weniger Stauraum untergebracht werden, starteten wir wieder einmal im Regenkombi. Die ersten 100 km waren dann auch geprägt von Nässe und starkem Verkehr. Wir kamen nur langsam vorwärts. Kurz vor dem Polarkreis setzte dann auch noch starker Wind ein und unsere Motorräder waren oberhalb der Baumgrenze fast nicht mehr auf der Straße zu halten. Im Polarkreiscenter machten wir dann erst einmal Rast um unsere steifgefrorenen Glieder bei Kaffee und Kuchen wieder aufzuwärmen. Im gleichen Maße wie unsere Körpertemperatur wieder stieg, kletterte auch das Außenthermometer nach oben so dass wir nach einer halben Stunde bei lachender Sonne die Passabfahrt genießen konnten. Die markante Vegetationsveränderung auf den folgenden Kilometern zog uns in ihren Bann und machte uns deutlich, dass wir uns nördlich des Polarkreises befanden. Jetzt machte es wieder Spaß auf der abgetrockneten E6 bei wenig Verkehr um die Kurven zu donnern. Gott sei Dank war im richtigen Moment ein Wohnmobil vor uns als wir zum ersten mal mit der am Straßenrand lauernden „Politi“ in Kontakt kamen. Um 16.10 Uhr in Bodo angekommen regnete es wieder einmal und so waren wir selbst über unsere spärliche Unterkunft zufrieden. Nach einem ausführlichen Stadtspaziergang gönnten wir uns als Alternative zu unseren Tankstellenhotdogs ein typisch norwegisches Fischmenü – von den Preisen sprechen wir nicht; die Geldautomaten haben funktioniert. Satt und zufrieden fielen wir früh ins Bett da uns eine kurze helle Nacht bevorstand.

 

Gefahrene Strecke: 314 km

 

Zurückgelegte Strecke:3731 km

 

9.Tag:Bodo – Narvik

 

Um 4.00 Uhr früh klingelte der Wecker. In Rekordzeit sind die Motorräder gepackt denn wir wollten auf keinen Fall die erste Fähre auf die Lofoten verpassen. Am Landungssteg treffen wir auf zwei nette norwegische Polizisten (diesmal ohne Laserpistole) die mit dem dienstältesten norwegischen Polizeifahrzeug, einem aus Film und Fernsehen bekannten Käfer namens PELE, ebenfalls auf die Fähre warteten. Glücklicherweise hatten wir die Motorräder gut festgezurrt denn während der Überfahrt kam starker Sturm auf. Die Wellen schwappten fast über – so wie in Juttas Magen! Kurz vor erreichen des Hafens setzt dann starker Regen ein, der sich zu unserem Bedauern wie ein Schleier über die Inseln legte. Entlang des Atlantiks fuhren wir an vielen Buchten vorbei die mit kleinen Fischerhütten besiedelt sind. Um die Mittagszeit kam starker Seitenwind auf der die Regenwolken verdrängte. Die anfängliche Freude über die strahlende Sonne war bei Überquerung der nächsten Fjordbrücke schon wieder verflogen. Auf den turmhohen Brücken hatten wir alle Mühe unsere Motorräder trotz sturmartiger Windböen in der Spur zu halten. Zum Glück gab es keinen Gegenverkehr. Deutlich erschöpft kamen wir gegen 19.00 Uhr im regnerischen Narvik an. Die Juhe befand sich im obersten Stockwerk eines Hotels. Mit knurrenden Mägen – Mars und Studentenfutter machen nicht wirklich satt – steuerten wir die nächstgelegene Pizzeria an. Ein Schnäppchen wie sich herausstelle, das Bier kostete nur 5€, Wasser und Espresso waren umsonst.

 

Gefahrene Strecke: 423 km

Fähren: 124 km

 

Zurückgelegte Strecke:4278 km

 

10. Tag : Narvik – Alta

 

Nachdem alle Socken gewaschen und sortiert waren und tatsächlich auch

ihre Besitzer wiedergefunden hatten, ging es nach kurzem Kampf mit Hekl`s Gepäckrolle, im strömenden Regen weiter.

Bis zum ersten Tankstop sind wir durchgefahren. Die zunehmende Kälte ließ uns die Nässe immer unangenehmer empfinden. Erst beim zweiten Tankstop nach 300 km, ließ der Regen nach und wir konnten das karge Nordland besser bewundern. Erstmals sahen wir auch die typischen Rentierwarnschilder und unsere BMW-Fahrer haben sogar einen scheuen Elch gesehen.

Der Schnee lag jetzt schon auf 100 m Höhe und trotz strahlendem Sonnenschein stieg das Thermometer nur auf 12° C.

Auf den letzten 80 km entlang des Alta-Fjords gab es dann kein Halten mehr.

Die verkehrsarme, kurvenreiche Strecke an der Steilküste ließ uns die Geschwindigkeitsbegrenzung vergessen. Die Motoren hatten es nach dem morgendlichen Schleichgang auch dringend nötig wieder einmal richtig freigeblasen zu werden. Weder die Motorräder noch unsere Hinterteile haben unter den Strapazen des Tages gelitten.

Die Suche nach unserem Campingplatz in Alta nahm einige Zeit in Anspruch, da fast alle Plätze ähnliche Namen hatten. Für diese Nacht wurden uns eine kleine Hütte und ein größeres Appartement zugewiesen.

Beim Einkauf des Abendessens im Supermarkt wurden wir um eine Erfahrung reicher; das voller Vorfreude in den Wagen gepackte Bier musste zu unserem Entsetzen, um 20.05 Uhr an der Kasse zurückgelassen werden (- ächtz – seufts – stöhn -) ! Im Supermarkt kann man Bier nur bis 20.00 Uhr erwerben ! !

Als wir um 23.45 Uhr unser gemeinsames Beisammensein aufgelöst hatten, ließ die immer noch strahlende Sonne die umliegende Landschaft in faszinierendem Licht erscheinen.

 

Gefahrene Strecke: 550 km

 

Zurückgelegte Strecke: 4828 km

 

11. Tag : Alta – Nordkap

 

Bei strahlender Sonne brechen wir heute, nach ausgiebigem Frühstück ohne Regenkombi auf. Die Fahrt führte uns über eine ausgedehnte, karge Hochebene abseits jeglicher Zivilisation. Ausser uns waren nur vereinzelte Samenzelte und Rentiere zu sehen. Auf der schnurgeraden Straße hatten wir eine unglaubliche Fernsicht, mussten jedoch auch mit dem starken Wind kämpfen. An der Küstenstraße nach Norden angekommen, wurde der Wind leider noch stärker. Windböen bis Stärke 9 und einsetzender Regen machten die letzten Kilometer bis zu unserem Ziel zu einem richtigen Abenteuer.

Voller Anspannung, festgeklammert am Motorrad, konnten wir die Landschaft um uns herum gar nicht richtig wahrnehmen.

Obwohl kilometerlange Tunnels nicht gerade ein Highlight für uns Motorradfahrer sind, waren wir froh die Einfahrt zum Nordkaptunnel erreicht zu haben. Dieser 6870 m lange Tunnel führte uns 212 m unter dem Meeresspiegel bis zur Nordkapinsel. Jeder kann sich denken, dass diese Fahrt sehr imposant war. Als wieder das Tageslicht erblicken, hatte sich am Wetter leider noch nichts geändert und wir mussten auch das letzte Stück unter den gleichen Extrembedingungen zurücklegen.

Zum Glück war unsere nördlichste Unterkunft, 3 gemütliche kleine Hütten, mit einer Heizung ausgestattet. Die Enttäuschung darüber, dass wir die letzten

24 km bis zum Nordkap auf Grund des immer stärker werdenden Windes mit dem Bus zurücklegen sollten, wich urplötzlich als der Himmel 1 Stunde nach unserer Ankunft aufriss. Wer hätte das gedacht, bei strahlendem Sonnenschein und nur mäßigem Wind bewältigten wir die letzte Etappe.

Voller Erwartung durchquerten wir die endlose Weite, die sich am Anfang vom Ende der Welt im Nordmeer fortsetzte. Unser Eindruck ist kaum in Worte zu fassen ! - Alles Weitere sagen unsere Bilder.

 

Gefahrene Strecke: 250 km

 

Zurückgelegte Strecke:5078 km

 

12. Tag : Nordkap – Inari

 

Auf Grund unserer überwältigenden Eindrücke und der anhaltenden Helligkeit,

hatten wir uns erst 1.30 Uhr schlafen gelegt. Nach dieser kurzen Nacht gab es erst mal Frühstück in internationaler Besetzung. Die Gemeinschaftsküche am Nordkap platzte aus allen Nähten.

Wie sooft am Morgen war der Himmel stark bewölkt, doch schon nach kurzer Fahrtzeit profilierten wir von den norwegischen Wetterkapriolen. Der Himmel riss auf und die gestern zurückgelegte Strecke erschien in einem ganz anderen Licht. Immer am Fjord entlang schlängelte sich die Straße und das Panorama war überwältigend.

Finnland kam näher; die Temperatur stieg an, die Vegetation nahm zu und die Kurven ab. Bald fanden wir uns auf schnurgeraden Straßen durch endlos scheinende Wälder wieder. Getrost konnten wir also auf die Handzeichen von Doris, als Ersatz für den an der Laverda ausgefallenen Blinker, verzichten.

Nach stundenlanger Fahrt waren wir froh wieder mal eine Tankstelle zu sehen.

Wir staunten nicht schlecht, als wir den dazugehörigen „Tante Emma Laden“

Betraten. Auf diesen 10 Quadratmetern fanden wir zwischen Wurst, Socken, Hundefutter und Angelhaken endlich wieder Bier zu vernünftigen Preisen.

Nur einen Katzensprung entfernt erreichten wir gegen 16 Uhr unsere heutige Unterkunft. Schon beim Abladen des Gepäcks wurden wir von einem gierigen

Begrüßungskomitee empfangen. – Hilfe, wir sind im Land der Schnaken !

Gott sei Dank waren unsere Hütten sehr geräumig, denn wir haben uns kaum noch vor die Tür gewagt. Der Gang zur Dusche entwickelte sich zum Spießrutenlauf. Trotzdem wagten es einige Mutige, auf dem angrenzenden See in die idyllische Abendstimmung zu rudern. Zum Abschluss des Tages vernichteten wir das preiswerte finnische Bier und den unterwegs eingekauften norwegischen Fisch. Wir hofften, dass die nun mit Bier, Fisch und Autan geschwängerte Luft, uns eine erholsame Nacht bringen würde.........doch es sollte anders kommen !

 

Gefahrene Strecke: 369 km

 

Zurückgelegte Strecke:5447 km

 

13. Tag : Inari – Ranua

 

Leider stellte sich heraus, dass die einheimischen Schnaken schwäbische Touristen als Delikatesse ansehen – vor allem Helmut war sichtlich gezeichnet.

Nachdem Hekl sein all morgendliches Abitur mit seiner Gepäckrolle abgelegt hatte und endlich alle auf dem Motorrad saßen, verweigerte die KAWA den Start. Also hieß es wieder absteigen und schieben. Gut gestärkt nach einem hausgemachten Frühstück machten wir uns wieder auf um die endlos langen, geraden Straßen zu erobern. Die dichten Wälder die wir durchquerten wurden jetzt immer öfter durch Seen unterschiedlicher Größe aufgelockert. Die Wolken malten eindrucksvolle Bilder an den Himmel. Bei einer einschläfernden Geschwindigkeit von 100 km/h stand plötzlich nach einer Kuppe ein Rentier mitten auf der Straße ! – Bremsen – Gedenksekunde – und rechts vorbei ; das Rentier trottete gemächlich weiter. Dieser unbeeindruckte Geselle war jedoch nur ein Vorbote, denn ab jetzt bevölkerten sie zum Teil in Rudeln die Straße.

Bei unserem heutigen Kaffeestop durften wir erfahren, dass wir Schwaben selbst im tiefen Finnland bekannt sind. Zwei Weltsprachen begegneten sich; wir bestellten auf englisch und wurden auf schwäbisch bedient.

Nachdem die KAWA erneut angeschoben werden musste – diesmal von den Mädels – beschlossen wir abends etwas dagegen zu tun. So war eine der ersten Tätigkeiten nach Erreichen des Tagesziels, die Wartung der Motorräder.

Da das Preisniveau in Finnland deutlich unter dem norwegischen lag, konnten wir heute wieder richtig zuschlagen; ein mehrgängiges Menü war angesagt. Nach dem anschließenden, dringend notwendigen Verdauungsspaziergang, gönnten wir uns noch ein „Lapin Kulta“ bevor wir uns vor den Schnaken in unser Appartement flüchteten.

 

Gefahrene Strecke: 475 km

 

Zurückgelegte Strecke:5922 km

 

14.Tag: Ranua-Pietarsaari

 

Doris war heute ganz flott, sie zog die Stiefel ohne Hosen an. Oh happy day, Hekl’s Rolle hielt heute auf Anhieb. Kurz nach unserer Abfahrt fing es mal wieder an zu regnen und auch die Temperatur liess zu wünschen übrig. Finnland ist absolut kein Motorradland, die Strassen wurden immer gerader und nur ab und zu kam ein Kürvchen...also bestens geeignet für ein Nickerchen auf dem Soziussitz. Es war in der Tat sehr ermüdend durch die endlosen Wälder zu fahren, doch plötzlich stieg der Adrenalinspiegel, die schwarze Masse auf dem weissen Stein in der Lichtung bewegte sich. Da wir wieder einmal die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht einhielten konnten einige von uns erst als wir schon vorbei waren realisieren das dies ein Bär war. Himmel und Wälder lockerten sich endlich auf und so sahen wir nach zweieinhalb Tagen endlich wieder saftige Wiesen und einzelne Felder. Auch die Zivilisation nahm wieder zu, denn immer öfter sahen wir nun stattliche Gehöfte und einzelne Siedlungen. Je mehr wir uns der Ostsee näherten, umso grösser wurden die Ortschaften und der Verkehr nahm deutlich zu. Unsere Lotterfahrt hatte nun ein Ende, ab jetzt mussten wir uns wieder an die Verkehrsregeln halten. In der „Grossstadt“ entschied sich der ewige Wettstreit zwischen Landkarte und Navigationsgerät. Die Kartenleser hatten Zeit sich auf die Hinweisschilder zu konzentrieren und waren somit pünktlich am Ziel. Andi, den Blick stets auf den Navi-Bildschirm gerichtet, traf erst nach 20 minütiger Rundfahrt durch Villenviertel und Schrebergärten ein. Gestärkt durch ein Dosenbier bezogen wir unsere Hütten. Zum Abendessen fuhren wir noch einmal in die Stadt und machten es uns in einem Biergarten mit Live-Musik gemütlich.

 

Gefahrene Strecke: 551 km

 

Zurückgelegte Strecke:6473 km

 

15.Tag: Pietarsaari-Turku

 

Die spinnen, die Finnen. Anlässlich Jutta’s Geburtstag wollten wir bei McDonalds frühstücken, doch die Türen waren leider verschlossen. Also zog es uns mal wieder an die Tanke. Heute nahmen wir zum letzten mal die reifenzerstörenden Strassen in Finnland unter die Räder. Tanken, Öl nachfüllen bei Kawa und Laverda sowie 2x Kette spannen bei der Varadero unterbrachen unsere Fahrt. Die Wartung der Motorräder machte durstig, also packte Andi seine Colaflasche aus und nahm einen kräftigen Schluck. Sein Gesichtsausdruck dabei zeigte uns deutlich das etwas nicht stimmen konnte. Doris wusste sofort bescheid, da sie den restlichen Rammazotti in die kleinere Colaflasche umgefüllt hatte. Eine Polizeikontrolle wäre jetzt nicht vorteilhaft gewesen. Je weiter wir in den Süden kamen, umso kurvenfreundlicher wurden die Finnen; die Geraden wurden durch etliche Kreisverkehre unterbrochen. Trotz immer weniger werdender Wälder nahmen die Elchwarnungen massiv zu doch zu unserem Bedauern war weit und breit keiner zu sehen. Nach einem letzten kurzweiligen Stück kamen wir in Turku an. Die Wartezeit bis zum Eintreffen der Fähre verbrachten wir im Segelclub bei Kaffee und Kuchen und bestaunten währenddessen das Geschehen am Yachthafen. Wir waren stark beeindruckt als unsere Fähre in den Hafen einlief. In erster Reihe wartend beobachteten wir interessiert die gesamte Logistik des riesigen Schiffes bis wir endlich als letzte einchecken durften.Die Mädels beschlossen heute einmal eine Schnarchfreie Zone einzurichten und beschlagnahmten kurzerhand eine Kabine für sich. Knurrende Mägen zogen uns direkt zum Diner. Zur Feier des Tages gönnten wir uns 1.2.3...Gänge zum meterlangen Buffett. Mit spannenden „Ränzen“ begaben wir uns anschliessend zu einem Spaziergang durch das imposante Schiff. Bei starkem Wind und traumhaftem Sonnenuntergang überraschten wir Jutta mit einem Ständchen und aufblasbarer Torte an Deck. Nach einem Schlummertrunk – wieder einmal aus der Dose – begaben wir uns müde ins Mädchen- und Bubenzimmer.

 

Gefahrene Strecke: 438 km

 

Zurückgelegte Strecke:6911 km

 

16.Tag: Turku – Tumba

 

In unseren Kojen , die sich 2m unter dem Meeresspiegel befanden haben wir gut aber kurz geschlafen. Um 5.30 Uhr gab es Frühstück im grossen Speisesaal direkt am Fenster mit Blick auf das vorbeiziehende Villenviertel von Stockholm. Pünktlich um 6.30 Uhr legte die Fähre in Stockholm an. Da sowohl Kartenleser als auch Navigationsgerät versagten geleitete uns ein freundlicher Stadtarbeiter, nachdem er seinen Rasenmäher eingeladen hatte, zur Juhe in Tumba. Um diese Zeit schlief dort natürlich noch alles und so hatten wir Zeit uns den riesigen Gutshof, der sich früher im Besitz des Handybosses Ericsson befand, zu bestaunen. Manche von uns nutzten die Zeit auch für ein Nickerchen auf der Parkbank. Als wir später sehr freundlich begrüsst wurden und eine saubere, gute Unterkunft vorfanden konnten wir zufrieden zur U-Bahnstation fahren. Auf Rat einer netten Polizistin haben wir die Motorräder direkt vor dem Polizeipräsidium geparkt, da Motorräder in Stockholm schnell den Besitzer wechseln. Nach langem Genuss von Ruhe und Natur haben wir die Geräusche der Stockholmer City sehr intensiv wahrgenommen. Die Stadt präsentierte sich uns als multinationale Hochburg. Durch die belebte Fussgängerzone kämpften wir uns zur Altstadt durch. Malerische Gassen, sehenswerte Gebäude und sonstige überdimensionale Sachen boten sich unserer Neugier. Mit dem Besuch einer prunkvollen deutschen Kirche schlossen wir unseren Stadtrundgang ab. An unser Abendessen mussten wir auch noch denken , also steuerten wir den nächsten grossen Supermarkt an. Zum Bedauern der wartenden Männer dauerte der Besuch etwas länger doch dies machte sich bezahlt; nach gemeinsamer Aktion in der Gemeinschaftsküche konnten wir ein reichhaltiges Essen geniessen. Während die Männer den Abwasch erledigten sorgten die Frauen für stundenlang laufende Waschmaschinen und Trockner. Zu unserer Überraschung spielte im angrenzenden Pavillon eine Tanzkapelle und so konnten wir den Abend bei gemütlichem Zusammensein ausklingen lassen.

 

Gefahrene Strecke: 70 km

Fähre: 310 km

 

Zurückgelegte Strecke:7291 km

 

17.Tag: Tumba –Stromsnäsbruk

 

9.30 Uhr ging es los, angesichts der vorunsliegenden Tagesetappe fast zu spät. Die erste Zeit wichen wir auf die Autobahn aus um dem Grossstadtverkehr von Stockholm zu entfliehen. Heute mussten wir zum ersten Mal schwitzen. Das Thermometer zeigt 22 o an. Schnell entledigen wir uns von Thermofutter und Sweatis – doch oh je, das Gepäck wird immer mehr. Tagelang ging es immer nur geradeaus aber jetzt reichte es uns. Kurzentschlossen wichen wir auf kurvige Nebenstrasse und –wege aus. Somit hatten wir jetzt wohl ungemein viel Fahrspass aber auch enorm an Zeit verloren. Dies hatte zur Folge, das vor allem zum Leidwesen der Frauen , die Kaffeepause gestrichen wurde. Schon 14.00 Uhr und noch 300 km zu fahren. Die Landschaft die wir durchstreiften ähnelte der Alb, nur die vereinzelt auftauchenden bunten Holzhäuser waren typisch schwedisch. Eines fehlte uns noch zu unserem alltäglichen Programm: der Regen. Dieser liess nicht lange auf sich warten und so zogen wir es vor, wieder auf Bundesstrassen weiterzufahren. Hier war das Verkehrsaufkommen wieder stärker. Vor allem die Anzahl der Motorräder nahm deutlich zu. Wir sahen hauptsächlich Harleys mit überlangen Gabeln die frech an uns vorbeidonnerten aber dann im Kreisverkehr als Verkehrshindernis getarnt kaum die Kurve kriegten. Wieder führte uns die Strasse durch unendliche Wälder wobei uns auffiel das mehrere Flächen abgerodet waren – Schwedens Lothar hiess Gertrud. Die letzte Tankstelle lag nun schon 200 km zurück; so langsam wurde uns Bang. Voller Freude verkündete Andi das sein Navi fündig geworden war. Der nächste Ort bot Tankstellen zu genüge ; aber alle mit Tankautomat auf schwedisch. Wieder einmal waren wir auf attraktive einheimische Hilfe angewiesen. Kurz nach 18.00 Uhr sahen wir endlich die urige in schwedischem Stil gehaltene Jugendherberge in Stromsnäsbruk. Die Schlange vor der Rezeption bereitete uns jedoch Sorgen, hätten wir doch schon um 17.00 Uhr dort sein sollen, doch als dann der am Ende der Schlange stehende Mr. Klee verlangt wurde waren wir unserer Betten sicher. Leicht geschafft von unserer Rekordstrecke haben wir uns nach langer Suche in einem Pizza- und Dönerimbis ein reichhaltiges Abendessen gegönnt. Bei angenehmen Temperaturen aber extrem hoher Luftfeuchtigkeit machten wir noch einen Spaziergang bevor wir den Tag mit einem allseits beliebten Schlummertrunk auf der Terasse beendeten.

 

Gefahrene Strecke: 575 km

 

Zurückgelegte Strecke:7866 km

 

18.Tag : Stromsnäsbruck – Güstrow

 

Nach erholsamem Schlaf starteten wir heute bei angenehmen Temperaturen und nur leichter Bewölkung. Da es in der Juhe kein Frühstück gab mussten wir wieder einmal die Tankstelle aufsuchen, wo wir dann unter freiem Himmel auf rustikalen Sitzgelegenheiten ein morgendliches Picknick machten. Zu unserer Freude stand nur wenige Meter von uns entfernt ein riesiger Elch. Die Tapfersten liessen sich in wagemutiger Pose mit ihm fotografieren. Das Tier zeigte keinerlei Scheu, denn es war aus Holz. 9.30 Uhr starteten wir dann unsere letzte Etappe in Skandinavien. Zunächst alles wie gewohnt: motorradfreundliche Strassen durch dichte Mischwälder. Kurz vor einer Ortschaft botb sich uns ein fast in Vergessenheit geratenes Bild: ein Enterich geleitete seine 25 köpfige Familie gemächlich über die Strasse. Ganz selbstverständlich warteten alle Verkehrsteilnehmer bis die Strasse wieder frei war. Relativ schnell wurde der Wald von Feldern und Wiesen abgelöst. Prächtige Gestüte und Höfe säumten unseren Weg an die Ostsee. Das Thermometer stieg unaufhörlich – die Feuchtigkeit in unseren Kombis allerdings auch. An der Küste überraschten uns menschenleere Sandstrände an denen sogar Kühe einen Platz zum Sonnen fanden. Auch wir gönnten uns eine Pause an einer kleinen Fischbude am Strand. Wir fühlten uns etwas deplaziert in unserem „kleinen Schwarzen“ zwischen all den Badenixen. Die Beschaulichkeit nahm nun ein jähes Ende. Immer mehr tat sich eine Touristenhochburg vor uns auf. Nach einer Schleichfahrt durch klein Mallorca erreichten wir dennoch pünktlich den Hafen von Trelleborg. In sengender Hitze warteten wir eine endlos lange Stunde auf unsere Fähre. Jetzt begann der Urlaubsteil unserer Tour; Jacken aus, Schuhe und Socken runter, Füsse hoch – Sonnendeck pur – welch ein Genuss. Nach ca. 6stündiger Überfahrt erreichten wir den Hafen von Rostock in der leuchtenden Abendsonne. Im Hafen bestaunten wir den riesigen Luxusliner Star Princess ,den wir auf unserem nun klein wirkenden Fährchen im Schleichgang passierten. Es war schon dunkel als wir erstmals wieder deutschen Boden unter den Rädern hatten. Nach einer starken halben Stunde Fahrt erreichten wir, Dank auch bei Dunkelheit ablesbarem Navi, ohne Umwege die Juhe in Schabernack. Sehnsüchtig wurden wir in der wunderschön renovierten Unterkunft erwartet denn es war schon fast 22.oo Uhr. Nachdem wir unsere grosszügigen, sauberen Zimmer bezogen hatten, trafen wir uns im Park um unsere letzten Reserven an Getränken zu geniessen.

 

Gefahrene Strecke: 286 km

Fähre: 176 km

 

Zurückgelegte Strecke:8328 km

 

19.Tag: Güstrow- Berlin

 

Schwitzend verliessen wir die vornehmste Jugendherberge unserer Tour. Schon am hellen Morgen war es ungewöhnlich schwül. Ohne Karte ging es durch, für die Gegend typische, kilometerlange Alleen Richtung Berlin. Nur selten fuhren wir durch kleine Dörfer die oft noch aussahen wie vor dem Mauerfall. Gegen Mittag machten wir eine grössere Pause in Wittburg wo wir gestärkt nach Eiskaffee durch die herausgeputzte Altstadt streiften. An riesigen Kornfeldern und unzähligen Windkraftanlagen vorbei näherten wir uns der Grossstadt. Unser von Hunger geplagter Instinkt führte uns geradewegs zu einem genialen mexikanischen Restaurant direkt an der Hauptstrasse zum Brandenburger Tor. Zu unserer Überraschung war die Preisliste fast 10 Jahre alt. Die DM-Preise waren halbiert und mit Euro gekennzeichnet (Cordon bleu kostete 5 € ). Auf der Strasse des 17.Juni ging es dann direkt zum Brandenburger Tor wo wir verbotswidrig Aufstellung nahmen um ein Gruppenfoto zu machen. Die Polizei erkannte rechtzeitig unsere Absicht und liess uns gewähren. In den Stiefeln kochte das Wasser was uns dazu anspornte das Sightseeingprogramm im Kurzdurchlauf zu absolvieren. Motorräder samt Fahrer liefen auf dem Trockenen, also nächste Tankstelle anfahren und Öl bzw. Wasser nachfüllen. Die Frauen liebäugelten mit einer Erfrischung in der Waschanlage. Um die Wartezeit bis zur Bahnverladung zu überbrücken befolgten wir den Tip eines Einheimischen und begaben uns in den nahegelegenen Biergarten, was uns überhaupt nicht schwer fiel. Hekl ist überglücklich; das erste Weizen seit 20 Tagen. Im Schatten der Kastanienbäume wurde uns bewusst wie stark die Hitze das Fahrvergnügen einschränkte. Der Klimawechsel der letzten 2 Tage machte uns sichtlich zu schaffen. Natürlich konnten wir Berlin nicht verlassen ohne eine originale Berliner Weisse zu trinken – auch das fiel uns nicht schwer. Die Sonne war schon untergegangen als wir unsere Motorräder verladen konnten. Im Liegewagen angekommen verbreiteten wir natürlich zum Leidwesen unserer Mitfahrer den grossen Duft der weiten Welt. Gott sei Dank war dieses Mal auf die Klimaanlage Verlass. Wir freuten uns das unsere Schlafstätte, bis auf die mickrige Waschgelegenheit, relativ komfortabel war.

 

Gefahrene Strecke: 259 km

 

Zurückgelegte Strecke:8587 km

 

20. Tag: Berlin – Bühl

 

Viel zu früh um 6.00 Uhr wurden wir vom Schaffner geweckt. Nach einer Katzenwäsche kamen wir bei strahlend blauen Himmel um 7.00 Uhr in München an. Direkt an der Abladestelle befand sich eine Bäckerei wo wir unser Frühstück einnahmen. Zwischen Kaffee und Mohnbrötchen besprachen wir die Route nach Hause. Hekl würde gerne über Rimini fahren – Gerhard und Annerose würde es über den Schwarzwald und die Vogesen reichen, letztlich entschlossen wir uns für eine kürzere Alternative - Gott sei Dank, denn wir brauchten schon über eine Stunde um München hinter uns zu lassen. Schon vor der Mittagszeit sehnten wir uns nach den angenehmen skandinavischen Temperaturen. Deutlich spürten wir zum ersten Mal auf unserer Tour unser Sitzfleisch, was uns zu häufigen Stops drängte. Unsere schweißtreibende Fahrt führte uns über Augsburg und Ulm auf die schwäbische Alb. Dank relativ geringem Verkehrsaufkommen waren wir, erpicht auf etwas Fahrtwind, flott unterwegs. Um 15.30 Uhr wurden wir freudig mit Apfelsaftschorle am glühenden Latschare empfangen. Alle waren froh, dass wir gesund und „munter“ wieder zurück waren. Wir freuten uns auf eine Dusche, saubere Wäsche und das eigene Bett. Um jegliche Entzugserscheinungen zu vermeiden, trafen wir uns abends noch zum gewohnten Ausklang, diesmal im heimischen Biergarten im Schlosssaal.

 

Gefahrene Strecke: 327 km

Zugfahrt: 560 km

 

Zurückgelegte Strecke:9474 km

 

Bilder

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